Zieleinlauf zum Autor

Der Burn-Down-Chart des Buches, das im November fertig werden muss.

Puh, die anstrengendste Monats-Mission nähert sich langsam dem Ende. Der größte Fehler den ich machen konnte, war einige Tage dem Buch fern zu bleiben. Heute habe ich aber frei und muss noch einiges schaffen, da es morgen wieder auf zur Arbeit geht, und dann einige Stunden des Autorentums wegfallen. Oben seht ihr den jetzigen Zwischenstand. Wenn die „Kurve“ weiter so verläuft, sollte alles klappen. Es sind noch 9500 Wörter niederzuschreiben.

Hier gibt es einen Auszug aus dem Kapitel „Josephs Nacht.“ Joseph der Pfleger hat gerade erfahren, dass es Obergutsheim seltsame Dinge vor sich gehen. Deshalb und weil er noch immer seiner weg gerannten Liebe Maria nachtrauert, träumt er folgenden Traum.

Kapitel 14 – Josephs Nacht

„…

Joseph rieb sich die Augen, ganz fest. Er rieb sich die Augen so fest, dass er das, was er im Inneren seines geschlossenen Lides sah, nicht das schwarze, die Dunkelheit war, sondern etwas Graues. Wenn er fester rieb, hellte sich das Graue immer weiter auf, bis hin zum Weißen. Auf dieser Fläche tobten verschiedenfarbige Punkte umher. Immer wenn der junge Joseph versuchte diese Punkte mit seinen Augen zu fokussieren, so sprangen sie beiseite. Joseph liebte dieses Spiel. Sie blitzten auf und änderten ihre Farben. Sie schwammen auf dem weißen wogenlosen Meer hin und her. Irgendwann jedoch, so kam es immer, verließen die Punkte das Meer. Josephs Perspektive als Betrachter des Meeres von oben herab, wie es Götter tuen änderte sich dann in eine Perspektive ähnlich der einem Hubschrauber der wenige Meter über dem Wasser nach vorne fliegt. Dann sieht Joseph die kleinen Punkte aus dem Meer aufsteigen und zu Blasen heranwachsen. Diese Blasen verlieren an Geschwindigkeit und sausen nun nicht mehr hin und her über das Meer. Sie wachsen und ändern dabei ihre Farben immer weniger schnell, je größer sie sind. Während sie wachsen, steigen sie immer weiter auf, in Richtung der Wolken. Joseph fliegt ihnen hinterher und sieht sie von unter gen Himmel schweben. Er fliegt näher heran, zwischen ihnen durch, schaut sie sich an, während er sie umkreist. Nach und nach glaubt er kleine Kinder in den Luftblasen, die Seifenblasen ähneln, heranwachsen zu sehen. Sie halten Rasseln in der Hand und kauen auf Legosteinen herum. Er hat Angst, dass sie die verschluckbaren Kleinteile verschlucken könnten, möchte aber auch nicht die Blase berühren, weil er Angst hat, sie könnten dann bis zum Meer herunterstürzen und dabei sterben. Sie kauen auf verschiedensten Steinen herum. Einmaleinern, Einmalzweiern, Einmaldreiern, Zweimalzweiern, bis hin zu Zweimalvierern. Größere Lego-Teile kann Joseph nicht entdecken. Nur eine Blase trägt ein Kind, das auf einer Lego-Figur herumkaut. Es ist ein Mädchen. Mittlerweile kann er jedes Kind einer jeden Blase erkennen und unterscheiden, ob es ein Mädchen oder ein Junge ist. Er glaubt mehr Jungen zu sehen als Mädchen. Und da ist sie wieder, die Einzige, die auf einer Figur herumkaut. Joseph kann nicht von ab sie in ihrem Steigflug zu beobachten. Sie wächst schneller. Sie ist schon bald kein Mädchen mehr. Er spürt, dass sie ihn auch wahrnimmt. Ihre Lego‑Figur hat sich in eine Puppe verwandelt. Beide steigen weiter. Das Mädchen hält plötzlich einen Stift statt einer Puppe in der Hand. Sie schreibt ihm ihren Namen auf ein Stück Papier, das durch ihre Seifenblase flog. Sie schreibt Maria drauf, mit einem Pfeil, der auf sie deutet, als sie Joseph das Stück Papier zeigt. Joseph fragt sich das erste Mal, warum, und vor allem wie er denn fliegen kann. Plötzlich wird er immer langsamer. Er hat seine Magie verloren. Joseph steigt nicht mehr weiter. Maria hingegen schon, wenn auch langsamer. Maria hält ihre Hand an den Rand ihrer Welt, ihrer Seifenblase. Joseph begleitet von der Angst von ihr getrennt zu werden treibt seine Hand in Richtung der Blase. Als sich beide Hände berühren, platzt die Blase. Beide gewinnen schlagartig an Schwerkraft und schießen dem Meer, dem Boden, dem Tod entgegen. Im Sinkflug versuchen beide, vergeblich, die Hand des Anderen fest zu packen. Sie stürzen und das Meer rückt immer näher. Ihre Hände streifen sich gelegentlich, doch es ist für keinen der beiden möglich, den jeweils anderen fest zu packen. Beide stürzen ins Meer. Nun sinken sie langsam zu Boden. Kurz bevor beiden die Luft ausgeht, schafft es Joseph Marias Hand zu greifen. Joseph zieht Maria an sich ran. Beide umarmen sich und sterben im Geiste vereint.

…“

Was sagt ihr dazu, schön, schmalzig?

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