Abschluss 2013.

Um das Kapitel 2014 öffnen zu können, möchte ich nun das Kapitel 2013 schließen.

2013 habe ich mich auf weniger Monats-Missionen beschränkt, dafür aber einige größere Aktionen durchgeführt. Darunter fällte die Prag-Tour, die vegane Zeit und … meine Drogen-Freiheit.

Drugfree Loving Hut Restaurant Praha

Drogen-Freiheit? Im gesamten Jahr habe ich kein Tee, Kaffee, andere koffeinhaltige Getränke, Alkohol oder gar andere Drogen zu mir genommen. Die einzige Möglichkeit für mich „drauf“ zu kommen waren in 2013 also selbstständig gebildete, körpereigene Hormone, beispielsweise durch Sport. Schwer war auch das nicht. Es tat mir auch weniger wegen des Alkohols Leid, sondern eher wegen des Koffeins, meiner gelegentlichen Mate.

Doch woher rührte der Antriebe für diese Aktion? Es entstand spontan am Silvester-Abend 2012. Da ich keine Vorsätze mache, sondern Vorhaben umsetze, klappte es.

Wenn man das Gefühl hat, Partys etc. lohnen sich nur mit Alkohol, ist man dann nicht bereits zu tief in Sumpf der Droge? Früher hatte ich häufig dieses Gefühl. Es legte sich nach einigen Wochen und ich hatte Spaß auch ohne Alkohol. Spaß nicht durch die Belustigung der Voll-Trunkenen, sondern an den reichhaltigen Diskussionen mit Freunden, in denen es um mehr als letztes Wochenende und den Füllgrad ging.

Beim Weihnachtsmarkt gestandene Männer torkeln zu sehen scheint nüchtern auch unter einem ganz anderen Licht, es sieht sehr traurig aus.

Aber das Koffein? Die Lösung ohne Koffein klarzukommen ist denkbar einfach. Schlafen! Ich habe einige Wochen regelmäßig (Nach-) Mittagsschlaf gehalten. Ich kann mittlerweile fast jederzeit in wenigen Minuten einschlafen. Wenn ich müde und schlaff bin, putsche ich mich nicht mit Tabletten oder anderen unnatürlichen Mitteln, sondern schlafe. Das scheint mir auch ein super Training für den Nachwuchs im Sommer. Kann ich die Aktion weiterempfehlen? Wenn ihr einige der folgenden Punkte kennenlernen möchtet, dann ja!

Ein Drogen-freies Jahr kann folgende „Konsequenzen“ mit sich ziehen:

  • ein besseres Müdigkeitsgefühl
  • besseres natürliches Schlaf-Vermögen
  • Fitness am Samstag und Sonntag, an denen du oft nicht zu gebrauchen bist
  • ein neues Bild über Alkohol und den Konsumenten
  • stärkeres Vertrauen in dir selbst und deine Disziplin
  • Unterhaltungen mit Freunden, an die du dich später noch erinnerst
  • ein gesünderer Körper
  • ein volleres Portemonnaie

So, give it a try! Ein Jahr von etwa 70, die ihr in eurem Erwachsenen-Leben habt.

Rückblick – Vegan im Jahr 2013

Einige von euch wissen es schon, die anderen sollen es aber auch erfahren.

2013 habe ich mit einer Monats-Mission die vegane Ernährung besser kennengelernt. Im Juni entschloss ich mich für 30 Tage veganer Ernährung. Man kann das ganze noch auf die Spitze treiben und auch beim Kauf anderer Güter außer Lebensmittel auf die Tier-freie Produktion achten, ich habe mich jedoch auf die Nahrung beschränkt.

Woher die Idee? Nun, einige Tage vorher war ich mit Freunden beim Harzer Schnitzelkönig. Die Art und Weise wie dort mit dem Fleisch in Masse umgegangen wurde, hat mich etwas erschrocken. Anschließend postete ich die Erfahrung auf Google Plus und Normen machte mich auf ein lehrreiches Video aufmerksam.

Daraufhin wollte ich dem Ganzen und mir eine Chance geben und besorgte eines von Attila Hildmanns Büchern (Ebook für Kindle: Vegan for Fit. Die Attila Hildmann 30-Tage-Challenge). In dem Monat lernte ich viele neue Lebensmittel kennen und viele traurige Fakten ebenso. Da ich im ersten Monat keine Defizite zur vorherigen Ernährung spürte, verlängerte ich die Aktion auf 100 Tage.

In den 100 Tagen habe ich laut einem Bericht der PETA etwa 54 Tiere „gerettet“.

Das erscheint viel, aber mindestens 3 Hühner dürften es gewesen sein:

Konsum von Fleisch eines Deutschen im gesamten leben.

Was war nach den 100 Tagen? Ich würde mich mittlerweile als 80%-Veganer bezeichnen. Ich esse nun wesentlich weniger Fleisch als vorher und versuche auch stets im Supermarkt den Fleisch-Produkten aus dem Weg zu gehen – immer schaffe ich das leider nicht. Immerhin habe ich auch einige Fertig-Produkte und leckere Milch-Produkte in veganer Form entdeckt, die mir immer noch großartig schmecken. Ich scanne nicht mehr die Zusatzstoffe, ob sie eventuell tierische Inhaltsstoffe beinhalten. Es ist schlicht zu aufwendig. Ich bin dafür zu träge. Ein weiterer Grund, warum ich mich nicht mehr 100 % vegan ernähre, ist der verbundene Aufwand vieles selbst, aufwendig kochen und einkaufen zu müssen. Was man allerdings nicht vergessen sollte: Auch wer sich nicht vegan aber gesünder ernähren will, muss selber kochen. Ich allerdings habe mich vorerst auf die träge Variante mit weniger Aufwand zurückgezogen. Mit dem anrückenden Nachwuchs im Sommer werde ich mir das aber noch einmal alles durch den Kopf gehen lassen. Ich werde versuchen, mein Kind so zu erziehen, dass es mehr Empathie und Verantwortung gegenüber Tieren und seiner eigenen Ernährung entwickelt. Mehr, als ich und viele der Menschen in meinem Umfeld sie haben.

Als Tipp kann ich einen veganen Monat sehr empfehlen. In der Zeit habe ich sehr viel gelernt. Viel gelernt nicht nur über die Lebensmittel(-Industrie) und dem Kochen neuer Gerichte mit mir damals neuen Lebensmitteln. Sondern mindestens ebenso viel darüber, wie Menschen mit dem Thema umgehen. Im Grunde glaube ich, dass 80% der Leute tatsächlich wissen oder ahnen, wie viel Leid für ein Stück Steak entsteht, sie wollen es aber nicht vorgeführt bekommen. Es ist eine Dauer-Schuld, die jeder Fleischesser mit sich trägt, es verdrängt und aufgrund der überwiegenden Mehrzahl an Fleischfressern es auch leicht hat in der Gesellschaft, sein gedankenloses Treiben fortzuführen.

Aber wer bin ich, zu urteilen, mit gerade mal 100 Tagen Tier-freier Ernährung? Wer sind hingegen die, zu urteilen, die ausnahmslos täglich Tier essen?

Vergesst militantes Eintreten für Tiere im Alltag, dass funktioniert für Kameras, aber nur wenig für die Menschen in eurer Umwelt. Die beste Methode Leute für veganes Essen zu begeistern ist nicht durch das Zeigen von Tier-Vergewaltigungen und Schlachtungen, sondern durch sehr leckere Gerichte, mit dem (nach dem Verzehr) kleinen Kommentar: „Dafür musste kein Tier leiden“. Außerdem sollten Veganer zeigen, dass sie ohne Tierisches fit, gesund und ausgeglichen sind.

Im übrigen habe ich meine Prag-Tour mit etwa 90km Rad-Strecke pro Tag auch in meiner veganen Zeit vollführt. Einen Schwäche-Anfall habe ich nicht erlitten, trotz Tier-Blut-Mangel.

Probiert es aus, zu verlieren habt ihr nichts!

Einzelstrecken der Prag-Tour 2013.

Da einige Leute gefragt haben, wo die Tour entlang lief, möchte ich mein letzten Post zum Thema Prag-Tour noch einmal ergänzen.

Hier findet ihr die Route vom ersten Tag: Ich habe auf einer Wiese vor Magdeburg gezeltet.


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Am zweiten Tag habe ich Wolmirstedt und das Schiffshebewerk Rothensee besucht, anschließend Magdeburg umrundet. Am Ende des zweiten Tages hatte ich dann auch schon eine Panne. Ein Drittel aller Speichen des Hinterrades waren abgesprungen. Weiterfahren unmöglich. Daraufhin musste ich mir spontan einen Schlafplatz suchen. Es war ein trockener bracher Acker.


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Ungeplanter Halt war dann entsprechend Prödel, ein kleines Dörfchen, dessen Namen ich wohl nicht mehr vergessen werde. Aufgrund des nicht durch mich reparierbaren Schadens am Rad und dem Umstand, dass es Samstag war, fuhr ich am nächsten Tag mit der Bahn nach Dresden. Dort blieb ich dann zwei Tage. Dresden hat mir sehr gefallen. An den Plätzen wo Dresden schön ist, finde ich es schöner als Prag. Dann ging es über Pirna nach Bad Schandau.


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Die Strecke durch das Elbsandsteingebirge hat mich sehr beeindruckt und war Belohnung genug, die Reise angetreten zu haben. Von Bad Schandau aus wurde dann richtig Strecke geschafft.


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Nach knapp 100km kam ich Roudnice Nad Labem an. Ich glaube Nad Labem heißt nur an der Elbe, also hieß der Ort wohl Roudnice. Dort konnte ich für wenig Geld ~4€ campen. Im Preis, der mittels Zeichensprache ausgehandelt wurde, waren Keller, Küche und Dusche inklusive… hervorragend. Bei meiner abendlichen Wanderung durch den Ort wurde ich dann von zwei Typen angemacht, die Geld für eine Zugreise wollten. Ich weiß bis heute nicht, ob sie mich abzocken wollten. Ich erklärte ihnen auf englisch, dass ich kein Geld bei mir habe und dass ich niemandem Geld gebe, der welches verlange und nebenher aus einer Chips-Tüte nasche. Dann bin ich einfach weitergegangen… hat geklappt.

Am nächsten Tag ging es dann mit einigen Irrungen bis nach Prag, Ziel erreicht.


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Wenn ihr noch mehr Fragen zu Organisation, Planung und Umsetzung der Tour an mich habt, dann schreibt doch gerne in die Kommentare. Dafür könnt ihr auch euren Google oder Facebook Account nutzen.

I am back – Rückblick auf Prag-Tour 2013.

2013 - Prag-Tour - Abschluss

Es ist schon länger her, hat mich geprägt, es war ein Abenteuer, etwas, dass ich in ähnlicher Form wiederholen möchte – Die Rad-Tour nach Prag.

Viel Material wurde gesammelt, gesichtet, gesichert, verclouded und steht nun zur Verfügung.

Ich werde nicht mehr viele Worte über die Tour verlieren, würde aber jeden empfehlen, sich mal allein oder mit einem guten Freund in ein solches Abenteuer zu stürzen. Wenn es sich während der Tour gar nicht aufregend anfühlt lasst Geduld walten. Bei mir kam die Erkenntnis um den Gewinn durch die Reise erst Wochen später.

Hier könnt ihr einen Haufen Bilder finden.

Es ist auch eine kleine Playlist mit Videos der Tour entstanden. Nehmt euch eine viertel Stunde und lasst die Playlist durchlaufen.

Wenn ihr Fragen zur Tour habt, schreibt es in die Kommentare unter dem Artikel.

Danke für euer Interesse und euren Respekt.

Veganer Monat Juni – Die Entstehung.

Anfang Mai kam ich in den Genuss die Lage, mich an einem 1-Kilo-Schnitzel zu versuchen. Es war nicht zu schaffen – keiner von uns vier Männern schaffte es. Ich gehörte noch zu den besten Zweien, die wenigsten die Hälfte verschlangen. Das allerdings ist nicht mehr von Relevanz.

Es schmeckte nicht, da es ein Schlingen von Fleisch war. Das Hinunterschlingen eines Tieres, das nahezu ausschließlich dafür gezüchtet, gemästet, geschlachtet und Schluss-endlich weiterverarbeitetet wurde. Um möglichst viel zu essen, kein Gedanken an Geschmack verlierend, malte ich mir eine Strategie aus. Durch zurechtschneiden kleiner Stücke, während ich noch kaute, sollte der Nachschub für mein Verdauungstrakt nie zum versiegen kommen – zumindest erst nach 1 kg.

Wenn man sich das alles durch den Kopf gehen lässt, nachdem man das Tier bereits durchgetrieben hat, kommt man recht schnell auf die Perversion, die dem ganzen zu Grunde lag und liegt.

  1. Das Tier wurde praktisch nur für den Wettbewerb verarbeitet.
  2. Es schmeckte nicht, nicht einmal die Beilagen.
  3. Am nächsten Tag aß ich trotzdem den Rest auf.
  4. Mir ging es die Tage dabei und danach nicht gut.

Außerdem kam ich in die Verlegenheit, diese Dummheit bei Google+ zu posten.

Daraufhin machte mich ein Freund (Thx Normen) auf ein Video, einen Gedanken, einer Lebensweise aufmerksam – dem Veganismus. Nicht dass es mir vorher nicht bewusst war, dass es Menschen gibt die auf tierische Produkte verzichten, es juckte mich einfach nicht. Ich sah mir sein Video an. Ich hatte vorher schon einige Male Videos aus Schlachthäusern gesehen, die mich zu Tränen gerührt hatten. Anschließend aber, Minuten nach dem Ende der Videos hatte ich stets alles wieder verdrängt und wenig später wieder Tierisches zu mir genommen.

Diese Video allerdings bietet mehr. Es zeigt auf, was es bedeutet Fleisch, Fisch, Eier und Käse zu Essen, Milch zu trinken.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=9d44U5pvTmU&w=560&h=315]

Nach Betrachtung des Videos kündigte ich Normen an, eventuell mal eine Monats-Mission anzunehmen, die vegane Ernährung zu Thema haben sollte. Einen fleischlosen Monat hatte ich bereits früher erfolgreich absolviert. Der Ankündigung folgten Taten. Es wurde der vegane Monat Juni…

Feedback und Ré­su­mé.

Da ‚issa‘ wieder.

Ein großes Danke an alle die mein Buch gelesen haben. Von einer Hand voll Menschen habe ich Feedback verschiedenster Form erhalten und bin dankbar. Von falscher Komma-Setzung über teilweise Anstrengungen beim Lesen bis hin zu positiver Rückmeldung bezüglich der witzigen Teilgeschichten.

Das reicht mir aber nicht. Es würde mich sehr freuen noch mehr Meinungen und Ideen zu erhalten. Wenn ihr es also „Alles ist besser als gar nicht gut“ gelesen habt und euch etwas gefiel, etwas übel aufstieß, dann her mit der Info. Eventuell gibt es im November eine neue, vermutlich ausgereiftere Geschichte zu lesen.

Wer noch vor hat das Buch zu lesen, kann es hier herunterladen.

Danke an euch.

Mission accomplished!

Cover des Buchs

Guten Rutsch gehabt? Eine reichlich späte Frage? Stimmt!

Deshalb komme ich gleich zum Thema, ohne lange Umwege:

  • Demnächst gibt es hier wieder mehr zu lesen
  • Das Buch ist fertig

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

Hier kommt ihr an das Buch (PDF, EPUB, HTML):

Alles ist besser als gar nicht gut

Mission November – NaNoWriMo

Tjaja, die Mission für den Monat November ist der NaNoWriMo, der (Inter)National Novel Writing Month.

Das bedeutet, man schreibt ein Buch in einem Monat. Einzige Regel und gleichzeitig das Ziel lautet in den 30 Tagen des Monats November ein Buch mir 50.000 Wörter zu schreiben. Ich habe damit gerade begonnen und liege voll im Schnitt von etwa 1.700 Wörtern pro Tag.

Die Länge meiner Bachelorarbeit werde ich etwa am Donnerstag erreichen. Insgesamt werden es so viele Wörter wie etwa 4 Bachelorarbeiten. Nur ohne jeden wissenschaftlichen Anspruch.

Das Buch wird von vergesslichen Patienten in einem Pflegedorf berichten, die allesamt sehr vergesslich sind (u.A. Alzheimer-Patienten) und ein Verbrechen aufklären wollen. Dabei möchte ich anmerken, dass empfohlen wird sich bereits vor dem November ausgiebig Gedanken über den Plot zu machen… das habe ich nicht!

Heute möchte ich dann auch gleich eine kleine Geschichte, das erste Kapitel präsentieren, in dem der Kalle, eine arme Nazi-Sau vorgestellt wird.Hier nun das erste Kapitel:

Kapitel 1 – Kalle

“Guten Morgen Mark”, so kann man es jeden Morgen vom Weg über den Gartenzaun zu Mark herüberschallen hören. “Guten Morgen Harald” schallt es stets zurück. Doch man kann noch mehr hören. “Guten Morgen Harald”, “Guten Morgen Inge”, “Guten Morgen Daisy und “Moin Kalle”. Morgen für Morgen. “Moin”, sagt Mark nur zu Kalle oder Karl-Heinz, wie es in seiner Akte steht.

Kalle wurde in Rostock geboren, 1949. Er hat nicht viel mitbekommen von dem Krieg, eher schon von seinem Vater. Mitbekommen meint nicht, dass er die Erfahrungen seines Vaters aufschnappte, sondern dass dieser ihn gerne eine mitgab. Er schlug Kalle, sobald dieser auch nur irgendwie von der Linie abwich, die sein Vater, er hieß, Erich in seinem Kopf aufgespannt hatte. Ein alter Eiserner meinten viele, die Erich ihn kannten. Einen verkappten Nazi nannten ihn Kalles Freunde beim Stadtfest. Immer nur beim Stadtfest, denn ansonsten sah Kalle seine Schulfreunde nicht. Er durfte kaum raus, meistens nur, wenn der Vater auch einen Nutzen davon hatte. Kalle einkaufen gehen lasse, die Gartenarbeit verrichten lassen und Arbeiten am Haus stellten sich für Erich wichtiger dar, als die “Schule”. Erich meinte immer: ”Die Schule, pah, alles, was du dort lernst, ist innerhalb von 20 Jahren eh nichts mehr Wert”. Er war enttäuscht, dass das in der Hitlerjugend erlernte nun alles falsch war. Außerdem war wohl enttäuscht, dass seine Kameraden nicht so gekämpft hatten, wir er es doch tat, starben und so sein Traum von einem Haus am Schwarzen Meer, an der deutschen Küste nicht in Erfüllung ging. Ach hätten doch nur alle so gekämpft, wie er es tat. Er hörte die Kugeln an ihm vorbeizischen meinte er und stürmte trotzdem nach vorne. Gelegentlich erzählte er, spät abends, auf Geburtstagsfeiern in der Familie die furchtbar, offensichtlich erlogene, Geschichte aus seiner Zeit in Russland. Er sprach von 17 betrunkenen Russen, denen er gegenüberstand, an denen er jedoch vorbei musste, um beim Funker Luftunterstützung anzufordern. Siebzehn Russen, die zwar voll waren wie es nur Russen sein können, aber trotzdem äußerst gefährlich waren. Die Russen, unmenschlich, tierisch, gnadenlos und volltrunken. Erich berichtete, er nahm sein Gewehr, schoss absichtlich nicht auf die Russen, da es dann wohl doch zu viele waren, sondern auf ein in der Nähe befindliches Blech. Dadurch donnerten die Einschläge aggressiver, wie von fünfzig deutschen Gewehrläufen geschickt, in den Ohren der Kämpfenden. Dabei rannte er nach vorne und schrie, während sich die Russen zu schützen wussten: “Ich will mein Haus, drei Frauen, einen Sohn, und ihr werdet mich niemals davon abhalten.”

Ein Haus, drei Frauen und einen Sohn. Er bekam die Zelle im Neubaublock, eine schweigende, innerlich tote, Frau und einen Sohn. Kalle hasste seinen Vater. Wie konnte er ihn nicht hassen. Da er auch kaum die Erfahrungen von Freunden im Umgang mit deren kriegserfahrenen Eltern erfuhr, dacht er stets, dass er wohl das traurigste Los gezogen haben müsse. Natürlich ist das nicht der Fall. Jeder kennt solche Menschen. Jeder kennt solche Themen in kleinen Runden, bei ein, zwei Schnäpsen.

Kalle hatte Glück. Er verließ das Elternhaus so früh es ging. Er war 15 und begann eine Lehre bei einem Konditor im weit entfernten Ort, in Görlitz. Görlitz war weit genug weg, sodass die “gut gemeinten” Besuche von seinen Eltern Erich und Gitte selten ausfielen. Wie Kalle an diese Stelle gekommen war, wusste niemand. Anfangs monatlich konnten sich die beiden Eltern schon bald das viele Reisen nicht mehr leisten und kamen jährlich. Es gab zwar einige Telefonate mit der meist verzweifelten, ihr Gesicht von Tränen durchtränkt, leicht angetrunkenen Mutter, jedoch gingen sie ihm recht rasch am Arsch vorbei. “Am Arsch vorbei” war Kalles Lieblingsantwort auf die Frage, wie es denn seinen Eltern so geht. Er war froh weg von Rostock zu sein. Nicht dass Kalle die Stadt im Allgemeinen nicht mochte. Er hasste alle Menschen dort die er kannte, seine Erlebnisse waren prägend mies und die Hoffnung war lediglich irgendwie zu entkommen. Er kam raus, machte beim Konditor Petric seine Ausbildung fertig, er war einer der schlechtesten Auszubildenden, die die Handwerkskammer je prüfte. Aber er schaffte es, er war stolz.

Seine Mutter wäre es auch gewesen. Sie war aber nicht mehr in Rostock geschweige denn in Görlitz. Sie wurde in Horst begraben. Nicht auf die nekrophile Art und Weise, sondern im Örtchen Horst. Auch wenn sie dort schon lange, nachdem sie mit Erich zusammengekommen war, 1946, nicht mehr war, so hatte sie doch immer noch ihre beste Freundin aus Jugendzeiten.

Gerda-Marie, oder “Gema” wie viele sie nannten schüttelte früher mehr Betten bei den Jungs in Horst durch als Frau Holle in ihrer jahrhundertelangen Geschichte. Deswegen war “Gema” der passendste Name – die Jungs fragten “Geh’ ‘ma” und sie konnte nicht Nein sagen. Der Name “Frau Holle” machte in Horst eher bei den Älteren die Runde. Auch die Eltern der Jugend in Horst wussten über “Gema” Bescheid – und nicht nur junge Burschen haben Betten, sonder die Alten ebenso!

Gerda-Marie sorgte dafür, dass Gitte in Horst begraben wurde. Sie musste sich über Jahre das Gejammer der – leider gibt es kein vernünftiges Gegenwort zu “Selbstvertrauen haben” – nicht vor Selbstvertrauen strotzenden Mutter Kalles anhören. Gerda-Marie überzeugte Erich, sie bezahlte die Bestattung, Gitte auf dem Horster Friedhof zur ewigen Ruhe zu verabschieden.

Kalle ließ sich das alles von seinem Vater berichten, auch “Gema” rief ihn an. Er hörte zu, folgte aber nicht. Weder dem Berichteten noch seiner Mutter. Kalle ging seinen weg. Er war abgestumpft, lernte aber einige Frauen kennen und sein Leben als “Ich kann so ziemlich alles” – aber in Wirklichkeit nichts richtig – reichte ihm. Bis er Mitte dreißig war, dann fand er Zeit und bekam Zweifel. Sollte es das etwa schon gewesen sein? Er hatte einige Frauen überzeugen können einige Weilen bei ihm zu bleiben. Er schaffte es jedoch nie, mehr als den Alltag und den – typisch für die Görlitzer Ecke – Blümchensex mit “selbst von ihrem Leben enttäuschten Minderwertigkeitsbrunnen”, so nannte Kalle die Frauen, zu bekommen. Nun war er schon zwei Jahre ohne jegliche Frau in Görlitz unterwegs, checkte alleine die Bars und Kneipen ab und war stadtbekannt als der Typ, der stets voll ist, nur nach Schlampen sucht und auf perverse Sachen steht. Man muss dabei wie bereits erwähnt bedenken, es handelt sich um Görlitz. Dort war der Wunsch nach Sex vor 18 Uhr schon pervers.

Kalle zog kurz nach dem Tod des Vaters wieder zurück nach Rostock. Er war sich selbst nicht sicher, warum, aber in Rostock gab, es immerhin andere Bars, andere Kneipen und wir er sie bei Selbstgesprächen zu Hause nannte “Flaschenhalter”. Mit Flasche meinte er dabei seinen Schwanz, der Flaschenhalter das entsprechende Gegenstück. Es waren für ihn irgendwann nur noch Stücke und sein Schwanz nannte er auch nicht ohne Grund Flasche. Er wollte seiner Heimatstadt noch mal eine Chance geben. Da er keine Eltern mehr hatte, keine Frau oder Freunde an die er sich hätte wenden können sollte Rostock doch ein Neuanfang sein, dachte er sich. In Rostock ging es jedoch weiter wie vorher. Mann sah ihm sein Wesen an, als ob er vom Charakterzug höchstpersönlich überrollt worden wäre. Keine Frau wollte was mit ihm anfangen, wenn sie nicht mindestens – Kalle mochte die Redewendung – drei AtÜ auf dem Kessel hatte. Das war leider so selten der Fall, dass Kalle nicht so richtig glücklich werden wollte. Er wurde dann irgendwann 37, drei Jahre später dann tatsächlich 40. Er lernte eine kleine, dunkelhaarige Frau kennen; Nadji. Er mochte sie, was anfangs vielleicht daran lag, dass sie nicht miteinander sprachen. Sie kam ziemlich schnell zur Sache und ihm gefiel das. Sie schmiedeten sogar Hochzeitspläne, bis Kalle merkte warum. Nadji wollte nicht in ihre Heimat zurück. Sie erzählte es nie und wich jedem Gespräch über dieses Thema aus. Der Hochzeitstag war geplant, doch Nadji ließ Kalle sitzen. Exakt zwei Wochen vor der Hochzeit, standesamtlich, sogar eine Handvoll Freunde hatten sie eingeladen, lief sie ihm sie weg. Keine Verabschiedung, keine Begründung. Kalle zerriss es das Herz. Nachdem er sich vier Monate eingeschlossen hatte und das Haus nur ab elf Uhr abends verließ, um an der Tankstelle Bier und Fertigpizza zu kaufen, hatte er es endlich verstanden. Nur eine Ausländerin konnte ihm so etwas antun. Wäre sie doch nur so brav gewesen, wie Kalles Mutter es bei seinem Vater war, dann wäre sie noch da.

Er hätte sie härter anpacken sollen, dieses Kanaken-Flittchen. Wahrscheinlich ist sie bei einem dieser Afrikaner, die sich auch bei ihm in der Gegend herumtrieben, da die auch größere Flaschen hatten als er. Sie wollte ja sowieso dauernd nur vögeln. “Diese Neger”, dachte er, wenn er doch nur den Mut fände, sie mal in die korrekte Richtung zu prügeln. “Irgendwann”, dachte er sich, “irgendwann.”

Nadji wurde abgeschoben. Sie schrieb Kalle noch Briefe in motiviertem aber furchtbarem Deutsch. Diese kamen niemals an. Nadji starb 1991.

Im Jahr 1992 ging es Kalle so schlecht wie nie. Er fand keinen Job, Frauen gingen ihm an seinen – sein letzter Job war auf dem Bau – Arbeiter-Dekolleté vorbei. “Die Wessis kaufen unsere Fabriken und die Kanaken klauen unsere Frauen.” Damit ging Kalle in Kneipen auf Standpauken-Stammtisch-Tour und fand immer Fans, die mit ihm einstimmten. Selbst auf den Stones-Konzerten waren sich nicht so viele einig, wie auf seinen Touren. Im August begann dann seine Abschiedstour, die doch so gut anfing.

Kalle hörte Radio im “Fass”, seiner Lieblingskneipe, als er hörte, dass ein Asylbewerberheim brannte. Später sah er Bilder von “Überlegenen Deutschen, die es den Ausländern mal richtig geben” – dachte er sich. Er schnappte sein blaues Diamant-Fahrrad, brauchte nur 15 Minuten und war am Ort des Geschehens.

Kalle war in Rostock-Lichtenhagen.

Er tönte seine Parolen, das Publikum grölte mit. Drei Tausend Fans, so viele hatte er nie an einem Ort versammeln können. Er fragte, wem Deutschland gehöre, die Fans sangen: “Den Deutschen.” Kalle fragte, wer denn raus sollte, also nicht aus dem brennenden Haus, sondern aus dem Land, “Ausländer raus” antwortete der Mob.

Doch wer nicht aus dem Haus gelassen wird, kann auch nicht aus dem Land.
Kalle wird diesen Tag vergessen, schon bald.

Nachdem seine “Wir verbrennen Menschen und singen dabei”-Tour vorbei war, ließ er sich bei seinen Kumpels in den Kneipen Schultern klopfen und klopfte zurück. “Das war eine Riesen-Gaudi”, dachte er immer wieder.
Mit breiter Schulter ging er nun durch sein wunderschönes Rostock. Durch sein deutsches Rostock mit deutschen Bewohnern, die einige Ausländer tolerieren, diese sich aber immer im Klaren sein müssen, dass schon morgen ihre Unterkunft brennen kann. Man war er stolz. Stolzer als beim Abschluss seiner Lehre in Görlitz. Stolzer als beim Präsentieren seiner Nadji vor seinen Kneipenkumpels. So ließ er es sich auch nicht nehmen große Töne zu spucken.

Als eines Abends ein Schwarzer, ein Nigerianer, in den Innenhof seines deutschen Wohngebiet’s einbog, wollte sich Kalle diese Chance nicht entgehen lassen. Nachdem der Nigerianer, er hieß, Kole, an ihm vorbei war murmelte Kalle vor sich hin: “Der wurde wohl schon angekokelt”, wobei er in seinem Rausch vergaß, dass seine Kneipenkumpels nicht mehr bei ihm waren und durch seine müden Augen zu spät mitbekam, das Kole’s Crew um die Ecke bog. Kole fragte Kalle, was er der gesagt hätte. Kalle schaute hoch, sah die vielen Leute um sich herum und sagte “Nichts, ich habe nichts gesagt”. Niemand hätte ihm das je abgenommen, sein Gesicht sagte etwas anderes. Kole konnte Kalles Gesicht lesen, Kole’s Freunde konnten dessen Gesicht lesen. Sie bearbeiteten Kalle.

Wenn du merkst, dass der am Boden Liegende nach einigen Tritten keinerlei Reaktion mehr zeigt, dann musst du sie vom Gesicht verlangen.

So traten die vier mehrere Male auf seinen Kopf ein. Dann gingen sie. Eine Anwohnerin sah Kalle etwa fünf Minuten später auf dem Innenhof liegen und rief als anonyme Anruferin die Polizei. Das geschah 1994. Kalle lag daraufhin zwei Jahre im Koma und wurde ab dann gepflegt. Da er keine Familie hatte die ihn hätte unterstützen können wieder den Alltag zu bewältigen, wurde ihm eine junge Therapeutin zur Seite gestellt. Sie war für drei Jahre täglich zwei Stunden bei ihm. Wo er auch konnte, belästigte er sie und fasste sie bevorzugt an ihrem Hintern. Ohne es zu wissen, erinnerte ihr Po ihn an den von Nadji. Seit 1999 ist Kalle nun im betreuten Wohnen in Obergutsheim. Dort kann er sein Leben unterstützt von Helfern größtenteils alleine weiterführen.

Doch eines ist geblieben. Kalle kann sich an nichts mehr erinnern, das vor dem Innenhof-Vorfall lag. Außerdem reicht sein Gedächtnis nur noch eine Stunde zurück.

Das Wetter lässt Obergutsheim, es ist in den Alpen auf der deutschen Seite gelegen, stets attraktiv erscheinen. Allerdings darf dort nicht jeder hinziehen. Genauer gesagt zieht keiner von sich aus da hin. In den meisten Fällen werden Leute in dieses Dorf geschickt ihr Leben dort fortzuführen, bis es endet. Kalle ist nun schon seit fast 10 Jahren hier. Von außen betrachten würde jeder sagen, dass es das Beste für Kalle ist.

Von außen zu betrachten und über Menschen zu urteilen ist natürlich auch eine arrogante Angelegenheit, vor allem wenn es um menschliche Schicksale geht.

Seit all den Jahren in Obergutsheim grüßte Kalle Tag für Tag den Betreuer Mark. Mark läuft jeden Morgen eine Dorfrunde und begrüßt alle aufgestandenen Bewohner. Mark arbeitet gerne in Obergutsheim. Am liebsten unterhält er sich mit Daisy.

Geocaching – Monat – Oktober

Tja, auch das gibt es: Missionen, die man nicht erfolgreich absolviert.

Eigentlich wollte ich jeden Tag einen Geocache finden. Später habe ich mein Ziel relativiert und wollte wenigsten 30 Caches im Monat Oktober finden. Aber im Endeffekt hat auch das nicht geklappt. Argumente Ausreden gibt es genügend: Umzugsstress, neue Arbeit, Besorgungen, der Herbst und die Schwierigkeit Caches im Laub zu finden. Im Endeffekt war das Problem aber, dass ich es habe abreißen lassen und wenn man einmal zu sehr hinterherläuft, macht es keinen Spaß mehr.

Vielleicht probier ich es noch mal im Frühjahr, wenn das Wetter und die Umgebung mehr zum draußen Spazieren einladen.

Mission gescheitert!

Anstrengender als erwartet.

Wow.

Das diese Mission und das finden von Caches so anstrengend wird hatte ich nicht gedacht.

Nach neun Tagen gerade mal fünf Caches gefunden. Dabei habe ich mir insgesamt schon 13 Orte angeschaut. Da kann ich nur hoffen, dass meine Quote besser wird.

Im allgemeinen kann man aber sagen, dass es ’ne spaßige Angelegenheit ist. Manchmal fühle ich mich wie früher als Kind, dass Scheiße baut und nicht erwischt werden will. Doch immer im Dunkeln Schätze zu suchen ist zu anstrengend, am Tage hingegen treiben sich verschiedenste Arten von Muggel rum. Raucher-Muggel, Vier-Rad-Muggel, Nacht-im-stockfinsteren-Wald-spazierengeh-Muggel … !

Insgesamt waren schon tolle Sachen dabei, magnetische Caches und auch welche bei denen geklettert werden musste.

Am meisten bleiben aber die in Erinnerung, die man nicht gefunden hat.

Mal sehen wie es weitergeht. … Immerhin schon fünf 🙂 auf der Karte!