Ode an das Vaterwerden.

Selfie mit Elenor.

Die letzten Monate waren aufregend. Unsere Tochter Elenor bedarf vieler Aufmerksamkeit, schlichtweg erst einmal Zeit. Die bekam sie, von Katharina und mir. Dafür erhielten wir im Gegenzug wunderbare Momente.

Anfangs konnte ich wenig mit Elenor anfangen. Sie war schlicht da und nun meine Tochter. Ich hatte weniger Bezug zu ihr als ich vorher dachte.

Ein Hinweis an alle werdenden und jungen Mütter. Erwartet anfangs nicht zu viel von den Vätern. IHR habt das Kind im Bauch gehabt, habt es monatelang gespürt. Ihr leidet während der Geburt, auch davor. Ihr müsst schon während der Schwangerschaft euer Leben in großen Teilen anpassen. Die Väter betrifft es weniger. Wir haben die Aufgabe einen guten Boxsack abzugeben, Momente des Schweigens oder Redens zu erkennen und da zu sein. Das Kind spürt der Vater wenn überhaupt erst in Wochen vor der Geburt, am Bauch der Mutter. Aber auch das ist eher interessant als rührend – zumindest war es das für mich. Selbst die häufigen Live-Bilder im Ultra-Schall gaben mir nur eine Ahnung von dem was die folgenden Monate passieren würde.

Die Geburt war ein schönes Erlebnis. Katharina war stark, ich war … naja dabei. Das der Bezug zu Elenor auch nach der Geburt eher gering war spürte ich. Ich empfand es jedoch nicht als unpassend, sondern normal und erklärlich. Ich machte mir eher wenig Sorgen darüber. Wie beschrieben sagte ich mir, dass ich noch nicht, wenn überhaupt jemals, die gleiche Beziehung zu Elenor haben könne wie ihre Mutter. Die Zeit könnte in diesem Fall mein Freund werden. Sie wurde es. Jedes Mal, wenn ich Elenor in diesem Artikel erwähne, drückt salziges Wasser in meine Augen. Elenor hat sich die letzten Monate von einem Baby zu einem Kleinkind entwickelt. Jeder Schritt dahin
ist ein Höhepunkt der mein Leben schlichtweg bereichert.

Während der Geburt:

  • Ich stütze Katharina’s Rücken während der Wehen.
  • Ich durchtrenne die Nabelschnur.

Stunden nach der Geburt:

  • Wir sehen Elenor zum ersten Mal.
  • Sie ist wunderschön.
  • Sie ist gesund.
  • Ich erkenne mich in ihrem Gesicht.
  • Wir dürfen Elenor anfassen. Nie habe ich etwas weicheres gespürt als ihre Haut.
  • Ihre Finger, Hand, Füße, Arme … alles ist so zierlich, zart, zerbrechlich, hilflos, beschützenswert.
  • Noch hat sie Kabel zur Kontrolle an Kopf, Hand und Fuß. Elenor kam fünf Wochen zu früh.

Tag(e) nach der Geburt:

  • Elenor’s Augen öffnen sich zum ersten Mal. Sie zaubern Leben in ihr Gesicht.
  • Ihre Augen sind schwarz und ausdruckslos.
  • Ihre Augen färben sich langsam ein, in blau und grau, die Augenfarben ihrer Eltern.
  • Elenor fängt an ihre Augen zu bewegen und Konturen zu folgen.
  • Sie schreit – noch niedlich sanft.
  • Wir dürfen sie halten, füttern, wickeln, stundenlang anschauen.

Wochen nach ihrer Geburt:

  • Elenor darf nach Hause.
  • Sie erkennt uns, zeigt Reaktionen.
  • Sie schreit, wir wissen nicht was es bedeutet.
  • Das Schreien ist kaum zu ignorieren.
  • Nach und nach erkennen wir die Notwendigkeit und Primitivität ihres Schreiens.
  • Wir werden sicherer. Es bedeutet Hunger, Windel voll. Am seltensten jedoch Schmerzen.

Monate nach ihrer Geburt:

  • Erster Ausdruck von Freunde in ihrem Gesicht, wenn sie jemanden von uns erkennt.
  • Elenor folgt unseren Bewegungen im Raum.
  • Sie schreit mit einer neuen Inbrunst. Ihre Schreie wirken als wären sie von Trillerpfeifen. Meine Ohren klingeln und schmerzen. Ignorieren ist nicht mehr möglich.
  • Elenor dreht sich selbständig auf ihren Bauch, später auf den Rücken.
  • Sie fängt an zu kriechen, sehr viel später wird es ein Krabbeln.
  • Elenor zieht ihr erstes Kleid an.
  • Sie winkt. Sie fängt an uns zu imitieren.
  • Sie albert mit den Großeltern.
  • Elenor isst feste Nahrung.

Die letzten Wochen, vor ihrem ersten Geburtstag.

  • Elenor füttert den Hund (niemand hat ihr das gezeigt).
  • Sie brabbelt Mama und Papa. Ersteres bedeutet Mama oder Essen. Zweites ist tatsächlich für mich.
  • Elenor freut sich immer wenn ich von der Arbeit nach Hause komme.
  • Sie schreit, wenn sie mitbekommt, dass ich das Haus verlasse.
  • Ich warte am Bett, bis sie vom Dösen ins Stehen kommt, damit ich sie – hochnehmen kann. Sie freut sich.
  • Sie kuschelt sich an meine Brust.
  • Sie schläft oft auf meinem Arm ein, bevor ich sie ins Bett lege.
  • An den Händen gehalten, läuft Elenor auf ihren eigenen Beinen. Sie will nur noch laufen.
  • Bietet man ihr die Hände zum Laufen an, sie will aber auf den Arm, dann legt sie ihre Hände auf unsere Arme.
  • Sie jagd den Hund durch die Wohnung.
  • Sie krabbelt nicht mehr mit Sturzgefahr vorwärts vom Sofa sondern dreht sich vorher, um es rückwärts zu erreichen. Ihre Mama hat es ihr beigebracht.
  • Elenor lernt nun von uns. Sie macht nach, adaptiert, amüsiert.
  • Sie schaukelt das erste Mal.
  • Sie trinkt selbst aus Bechern.
  • Sie geht zur KiTa.

Ich habe so viele Dinge vergessen. Die Mama allerdings führt für Elenor ein Tagebuch. Elenor wird ihre eigene Entwicklung daran selbst nachvollziehen können. Eine tolle Idee.

Dass dies wohl der vermutlich längste Artikel ist, denn ich je geschrieben habe mag nur im Ansatz erläutern, wie sehr Elenor mein Leben verändert.

Eigentlich sollte dieser Artikel ein einleitender zu meiner Sizilien-Reise werden. Dass es nun ein Beitrag über Elenor geworden ist macht mich nachdenklich. Nun da ich sie gerade zwei Tage nicht erleben durfte, lerne ich. Im Spiel des Lebens ist das Attribut “Vater” wohl auf gefühlte 89% aufgeladen.

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Deshalb gehe ich mittlerweile mit Vaterstolz zum Baby-Flohmarkt statt auf eine Sauf-Tour.

Ich bin froh Elenor zu haben. Sie kann sich freuen eine tolle Mutter zu haben.